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Entrepreneurship Summit 2022 - Keynote von Prof. Dr. Günter Faltin

Veröffentlicht am: Oct 24, 2022Entrepreneurship SummitKeynote
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Von Entrepreneurship Campus

Entrepreneurship Summit 2022 - Keynote von Prof. Dr. Günter Faltin

Zusammenfassung der Keynote

In seiner Keynote „The Berlin Way of Entrepreneurship” setzt sich Prof. Günter Faltin kritisch mit dem aktuellen Verständnis von Wirtschaft, Innovation und Wettbewerb auseinander. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass politische Akteure bei unbequemen Themen wie Konsumverzicht schnell abgewählt werden, während Unternehmer:innen eine andere Rolle einnehmen können: Sie können Lösungen umsetzen, ohne politisch sanktioniert zu werden – der Markt entscheidet.

Faltin hinterfragt die oft bemühte Argumentation der „Systemkonkurrenz“, insbesondere im Zusammenhang mit Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und dem Metaverse. Technologie sei keineswegs per se schlecht, aber sie eigne sich vor allem dann, wenn Ziele und Regeln klar definiert sind. Die wirklich entscheidenden Fragen – ob ein Ziel sinnvoll ist, ob Regeln richtig gesetzt sind und ob Innovation zum guten Leben beiträgt – könne Technologie nicht beantworten. Diese Fragen müssten gesellschaftlich und unternehmerisch ausgehandelt werden.

Besonders kritisch betrachtet Faltin Innovationsfelder mit extremem Ressourcenverbrauch, etwa energieintensive digitale Anwendungen. Er stellt infrage, ob solche Entwicklungen angesichts ökologischer Grenzen sinnvoll sind, und plädiert dafür, Innovationen danach zu bewerten, ob sie echte gesellschaftliche Probleme lösen.

Ein zentrales Thema der Keynote ist die Illusion des „gnadenlosen Wettbewerbs“. Faltin argumentiert, dass in vielen Märkten gerade kein fairer Wettbewerb herrscht, sondern Marktmacht, Lobbyismus, starke Marken und steuerliche Vorteile großer Konzerne kleine und mittlere Unternehmen systematisch benachteiligen. Das Problem liege nicht im Wirtschaftssystem selbst, sondern in seiner Nutzung durch eine sehr kleine Gruppe dominanter Akteure.

Dem stellt Faltin ein anderes Verständnis von Entrepreneurship gegenüber, das sich an Sinn, Verantwortung und realen Bedürfnissen orientiert. Am Beispiel Berlins zeigt er, wie alternative Lebensstile, kulturelle Vielfalt und soziale Innovationen neue unternehmerische Chancen eröffnen können – gerade vor dem Hintergrund notwendiger Konsumreduktion.

Zum Abschluss betont Faltin die Bedeutung von Co-Creation und Crowdsourcing in der Gründungsphase. Gute Geschäftsideen entstehen selten im stillen Kämmerlein, sondern werden durch vielfältige Perspektiven besser, marktnäher und tragfähiger. Erfolgreiches Entrepreneurship erfordert daher weniger Kapital, als oft angenommen, sondern vor allem Klarheit, Kreativität, Feedback und persönliche Passung zwischen Gründer:in und Idee.

Key Insights für Gründerinnen & Gründer

1. Entrepreneure & Entrepreneurinnen können handeln, wo Politik scheitert:
Märkte erlauben es, Lösungen umzusetzen, ohne auf politische Mehrheiten angewiesen zu sein.

2. Nicht jede technologische Innovation ist sinnvoll:
Entscheidend ist nicht, ob etwas machbar ist, sondern ob es gesellschaftlich notwendig und ökologisch tragfähig ist.

3. Der „gnadenlose Wettbewerb“ ist oft ein Mythos:
Viele Märkte sind verzerrt durch Marktmacht, Lobbyismus und starke Marken. Echte Innovation kommt meist von wenigen.

4. Gute Ideen entstehen durch Co-Creation:
Konzepte werden besser, wenn sie früh mit anderen geteilt, hinterfragt und weiterentwickelt werden.

5. Erfolgreiches Entrepreneurship muss zur Person passen:
Gründen ist ein Marathon. Nur wer hinter Idee, Werten und Lebensstil steht, hält langfristig durch.

Über den Speaker

Prof. Günter Faltin ist deutscher Ökonom, Hochschullehrer, Gründer der Teekampagne und einer der prägenden Vordenker des modernen Entrepreneurship im deutschsprachigen Raum. Er war Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Freien Universität Berlin und gründete dort den Arbeitsbereich Entrepreneurship. Faltin ist bekannt für seinen Ansatz „Kopf schlägt Kapital“, der den Fokus auf intelligente Geschäftskonzepte statt auf hohen Kapitaleinsatz legt. Er initiierte zahlreiche Gründungsprojekte, entwickelte innovative Lehrformate und engagiert sich für nachhaltige, sinnorientierte Unternehmensmodelle. Seine Arbeit verbindet wirtschaftliches Denken mit gesellschaftlicher Verantwortung und kultureller Perspektive.

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